Mein Handy klingelte. Oder besser gesagt; es leuchtete. Ich hatte es wieder einmal versäumt das Ding auf „laut“ zu stellen. „Hey Schatz! Mer sind bi Fründe zum Esse iglade“, quakte es durch das Mobiltelefon. Es traf mich wie eine Dampframme. Dieser Satz klang irgendwie schockierend vertraut, trieb Schweissperlen der Furcht auf meine gerunzelte Stirn und warf trotzdem Fragen auf. Wie alt bin ich? Sofort dachte ich an meine Eltern, die von befreundeten Paaren zum Essen eingeladen werden. Ein mindestens fünfgängiges Festmahl, Wein dazu, oberflächliche Gespräche über vergangene, jugendliche Zeiten. Ängstlich griff ich in meine rechte, hintere Hosentasche und grabschte mein Portemonnaie hervor. Mit zitternden Händen öffnete ich es und riss meine Identitätskarte hervor. Mein beinahe kindliches Grinsen auf dem Passfoto begrüsste mich, doch ich hatte keine Zeit zu verlieren und wendete die Karte. Vierter zwölfter neunzehnhundertsechsundachtzig. Mir viel ein Stein vom greisgeglaubten Herzen, die unzähligen Jahresringe meiner Gedanken drehten sich zurück und die Zeit war wieder Echtzeit. 21 Jahre jung.
Am Abend assen wir übrigens anstatt eines Fünfgängers gutbürgerliche Teigwaren mit Gehacktem. Anstelle des Weins tranken wir Bier. Und statt der langweiligen Gespräche vertieften wir uns in die Wii-Konsole. 21 Jahre jung.
/Poolitzer
Windows tsssss...
vor 17 Jahren
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen